Paulo Coelho
Brida
„Ich weiß nicht, ob andere Leute etwas damit anfangen können.“
Dieser Zweifel, den Coelho im Prolog zu seinem neu veröffentlichten Buch »Brida« anklingen lässt, ist durchaus berechtigt. Man kann nicht voraussetzen, dass die Menschheit etwas mit dem Hokuspokus anfangen kann, den er uns in diesem Buch schmackhaft zu machen versucht. Von magischen, farbenfrohen Hexentänzen über strahlend leuchtende Körper bis hin zu zauberhaften Zeitreisen ist hier alles vertreten. Coelho hat sich hier einmal mehr richtig ausgetobt.
Würde man das Buch als kleine Fantasy-Story lesen, wäre es recht unterhaltsam, vielleicht sogar spannend – für diejenigen, die sich gerne in weniger originelle Liebesgeschichten vertiefen, denn es handelt sich hier um nichts sonst: Brida befindet sich auf einer spirituellen Suche und auf der Suche nach der wahren Liebe. Sie lernt die Lehre vom Anderen Teil kennen, die stark an Platon erinnert:
Bei bestimmten Reinkarnationen teilen wir uns. So wie die Kristalle und die Sterne, so wie die Zellen und die Pflanzen, teilt sich auch unsere Seele. Sie verwandelt sich in zwei Teile, und diese zwei Teile sind zwei neue Seelen, die sich ihrerseits teilen und so sind wir nach ein paar Generationen über einen großen Teil der Erde verteilt. Wir teilen uns, aber wir finden uns auch wieder. Und dieses Wiederfinden heißt Liebe.
Natürlich findet Brida ihren Anderen Teil, wie schon von Beginn des Buches an zu erwarten ist. Doch sie liebt auch Lorens, ihren langjährigen Freund, den sie nicht verlassen möchte. Schön, denkt sich der Leser. Klingt ganz nett, fast nach Rosamunde Pilcher.
Das Faszinierende an Coelhos Buch aber ist, dass es nicht wie eine kleine Fantasy-Story gelesen werden soll, wie aus seinem Prolog hervorgeht. Er warnt sogar davor, die rituellen Praktiken, die im Buch beschrieben werden, selbst auszuführen, weil dies »die spirituelle Suche ernstlich gefährden« könnte. Eine Frage, die sich der Leser daher immer wieder stellen muss, ist: Kann er das wirklich ernsthaft glauben? Die Zeitreisen, die strahlenden Körper und hellen Lichtkreise, mitten auf einem Kornfeld? Vielleicht hätte er den Prolog und die erwähnte Warnung weglassen sollen. Dann könnte man sich der Materie um einiges entspannter widmen – auch wenn es dann immer noch Aspekte gäbe, die fragwürdig wären: Was beispielsweise hat Esoterik mit dem Christentum zu tun? Diese Verbindung wirkt doch einigermaßen befremdlich. Wenn Hexen und Magier plötzlich anfangen zu beten und aus der Bibel zitieren, scheint der »Weltengeist« wohl etwas durcheinandergekommen zu sein.
Aber wir wollen nicht ungerecht sein. Auch in diesem Buch findet sich ab und an wieder eine Coelho’sche Weisheit, wie wir es von ihm gewohnt sind. Zwischen dem vielen Spuk lassen sich ein paar Metaphern finden, die selbst die Zweifler unter uns nicht ganz abweisen könnten. Aber dennoch: Der Gesamteindruck ist nicht sonderlich berauschend. Auch der Erzählstil ist nicht besonders originell. Kurz: Dieses Buch hat keinen Preis verdient. Hat man es einmal gelesen, wird es im Bücherregal verstauben.
ISBN 325706666X, Diogenes 2008, 250 Seiten, gebunden, € 19,90
rezensiert von Anne am 26.10.2008
rezensiert von Anne am 26.10.2008
Brida konnte mich von Beginn an nicht in seinen Bann ziehen. Bisher habe ich noch bei keinem anderen Buch Coelhos so lange gebracht, es fertig zu lesen. Keine Ahnung was schlimmer war, die vor sich hin dümpelnde Geschichte, die jedweden Spannungsaufbau vermissen lässt oder der Versuch die christliche Glaubenslehre mit esoterischen und mythologischen Überzeugungen in Einklang zu bringen. Wenn dann noch so Sätze wie "Schau mir in die Augen, Kleines." auftauchen, ist für mich die Grenze des Erträglichen eindeutig überschritten worden. Zum Stil ist nicht viel zu sagen: Coelho schreibt in einfachen (oft leerformelartigen) Sätzen, die die lineare Geschichte unter häufiger Verwendung direkter Reden vorantreiben, was dem fahlen Inhalt einen zusätzlich bitteren Beigeschmack verleiht.
Also wer das Buch nicht gerade geschenkt bekommen und sonst nichts zu lesen hat, sollte lieber die Finger davon lassen!
Kommentar von Gernot am 12.11.2008
