Ray Bradbury
Fahrenheit 451
Fahrenheit 451: the temperature at which book-paper catches fire and burns
Dieser packende Zukunftsroman liefert ein erschreckendes Szenario: Die Gesellschaft verdummt und wird von der Regierung durch Massenmedien in Schach gehalten. Bildung und mit ihr Bücher wurden nach und nach zum Sündenbock für jegliche Kontroverse erklärt. Kontroverse macht Menschen unglücklich. Menschen wollen aber glücklich sein.
People want to be happy, isn't that right? Haven't you heard it all your life? I want to be happy, people say. Well, aren't they? That's all we live for, isn't it? For pleasure, for titillation? And you must admit our culture provides plenty of these.“
Durch die Abschaffung von intellektueller Herausforderung, die radikale Vereinfachung von schulischer Ausbildung, die Banalität jeglicher noch vorhandener Medien und schließlich die organisierte Vernichtung von Büchern wird dafür gesorgt, dass jeder glücklich ist. Und auch dafür, dass jeder, der nach dem „Warum“ fragt, ein „Asozialer“ ist.
A book is a loaded gun in the house next door.“
Guy Montag, der Protagonist, ist ein Feuerwehrmann. Er verbrennt Bücher anstatt Feuer zu löschen. Wird eine besonders große Sammlung Bücher aufgefunden, brennt er auch mal ein ganzes Haus nieder. Notfalls mit den Besitzern zusammen.
Montag ist von der Richtigkeit seines Tuns überzeugt, bis er eines Tages auf die Außenseiterin Clarisse McClellan trifft. Mit ihrer sympathischen Verrücktheit weckt sie ihn aus seiner indoktrinierten Lethargie. Montag stellt die Ideologie, der er folgt, immer mehr in Frage. Er beginnt, Bücher zu lesen.
Schließlich wird es gefährlich für ihn. Guy Montag weiß nicht mehr, wem er noch trauen kann, sein Chef, seine Kameraden, sogar seine Frau scheinen sich gegen ihn verschworen zu haben. Wird er wirklich verfolgt? Findet er einen Weg, die Bücher zu verstehen und das System zu besiegen?
Bei diesem Buch ist es nicht nur die spannende Handlung, die es lesenswert macht. Bradburys Sprache zog mich von der ersten Seite an in seinen Bann. Seine Bilder sind einprägsam und deutlich, trotzdem aber elegant. Er wusste definitiv, wie er Worte einsetzen musste.
Ray Bradbury provozierte schon 1953 mit diesem Buch. Bis heute hat es seine schockierende Wirkung nicht verloren: Kann es passieren, dass die Gesellschaft von sich aus auf Bildung verzichten wird? Holt uns unsere Vergangenheit wieder ein?
Die Zustände in dieser Zukunftsgesellschaft, der Umgang der Menschen miteinander ist erschreckend.
Noch erschreckender ist die Tatsache, dass der Text aktueller nicht sein kann. Auch wenn es einige Kritikpunkte an diesem Gesellschaftsentwurf geben mag – ein lesenswertes Buch ist es allemal. Allein schon, wenn man bedenkt, dass die letzten Bücherverbrennungen nicht in den 30er Jahren des 20. Jahrhunderts stattfanden. Die letzte, bei Wikipedia gelistete Bücherverbrennung geschah im Mai 2008.
"Dort wo man Bücher verbrennt, verbrennt man am Ende auch Menschen."
Heinrich Heine
ISBN 3060311358, Residenz Verlag 2005, 168 Seiten, broschiert, € 9,50
rezensiert von Anna K. am 27.11.2008
rezensiert von Anna K. am 27.11.2008
