Klaus Ungerer
Alles über die Welt
Über die Welt zu schreiben, wie sie sich uns heute darstellt, ist eine ebenso leichte wie unlösbare Aufgabe.
Schlechte Bücher gibt es ja immer wieder, dagegen hat ja auch niemand etwas. Kommt vor, kann ja nicht immer der literarische große Wurf sein. – Ärgerlich werden solche Bücher für einen persönlich erst dann, wenn sie alle Welt vorher in großen Tönen in den Himmel lobt. Dann wird man neugierig, will wissen, was denn jetzt so toll an diesem und jenem Buch ist. Und wenn’s richtig blöd läuft, wird man ordentlich enttäuscht.
Klaus Ungerers erster Roman ist laut Verlag »Ein Weltmosaik in Buchform«, »Ein literarisches Wimmelbild« und schlussendlich natürlich noch »Ein Roman wie keiner zuvor«. Hunderteinundfünfzig kleine Geschichtchen werden hier erzählt, der Erzähler reist um die halbe Welt und deckt dabei auf, was wirklich wichtig war: Forschungsexpeditionen, von denen niemand weiß; Inseln, deren Namen kaum jemand kennt; Menschen, die an Orten leben, von denen wir noch nie etwas gehört haben. Die Schauplätze sind exotisch, die Episoden kurios, und obwohl im Gefüge der großen Weltordnung kein Hahn nach diesen Geschichten kräht, eröffnen sie dadurch gerade einen neuen Blick auf die Welt, von unten her, sozusagen. Aus der Winzigkeit heraus.
Das alles klingt durchaus nach einem hübschen, interessanten und spannenden Konzept für einen Roman. Leider ist das Ganze nachher nicht mehr als eine bloße Aneinanderreihung pseudo-intellektueller Belanglosigkeiten. Ungerers Stil ist zwar durchaus flüssig und stellenweise auch recht lesenswert, doch merkt man ihm eben auch ganz stark den Feuilleton-Autor an: Größtenteils hat man das Gefühl, man würde belehrt, als koste der Autor es in vollem Maße aus, uns von oben herab vorzuführen, was er bei den Recherchen zu seinem Roman alles gefunden habe.
Die Geschichten sind langweilig, sie wirken völlig austauschbar und entbehren jeglicher Aussagekraft. Wirklich lohnenswert sind nur die wenigsten, ein paar gute Ansätze sind hier und da dabei, aber eben auch nicht mehr.
Widmen Sie sich bitte wieder Ihrer Zeitung, Herr Ungerer, und überlassen Sie das Schreiben Leuten, die etwas zu sagen haben.
ISBN 3896673866, weissbooks 2008, 268 Seiten, gebunden, € 18,95
rezensiert von Alex am 30.11.2008
rezensiert von Alex am 30.11.2008
