Jostein Gaarder

Der Geschichtenverkäufer


Petter Spinnenmann, genannt „die Spinne“, ist an die italienische Küste geflüchtet und greift zum Schreibgerät. Zum ersten Mal ist es an ihm, eine Geschichte aufzuschreiben. Es ist die Geschichte seines Lebens.

Es beginnt mit einem phantasievollen, überaus begabten und intelligenten Kind, dem die Ideen nur so sprudeln. Er erfindet Geschichten, geht ins Theater, Kino, in die Oper, liebt Tschaikowsky und liest Lexika. Er hat keine Freunde, lässt stattdessen Filme in seinem Kopf ablaufen. Selbst erfundene Filme.

Ich selber legte mir nie Freunde zu, ich wollte es nicht. Unternehmungen mit Freunden konnten sich unmöglich damit messen, was ich mir allein ausdenken konnte.


Bald beginnt er, Aufsätze für seine Mitschüler zu schreiben. Es steigert sich: seine überschäumende Phantasie nutzt er, um Geld zu verdienen, wird schließlich sogar reich mit einer einzigartigen Geschäftsidee: Er verkauft Romanideen an verkrachte Autoren. Zuerst zögerlich, dann mit System webt er sein Netz in zahlreichen Ländern der Erde. Irgendwann verstrickt er sich in seinem eigenen Netz. Damit hat vor allem Maria zu tun.

Sie war etwas ganz Besonderes, aber je besser ich sie kennenlernte, desto häufiger dachte ich, dass wir uns in vieler Hinsicht auch sehr ähnlich waren.


Schließlich muss er fliehen, er zieht sich aus der Öffentlichkeit und zu sich selbst zurück. Die Spinne findet ihre Vergangenheit, ihre Zukunft und sich selbst wieder, wo sie doch all das über der Webarbeit vergessen hatte.

Das Eis wirft Risse, und die kalte, finstere Tiefe unter der Oberfläche tut sich auf. Es werden keine Pirouetten mehr getanzt. Ich muss lernen, im tiefen Wasser zu schwimmen.


Es hat sich gelohnt, dieses Buch zu lesen. Gaarder schreibt einfach und fesselnd. Gekonnt transportiert er Emotionen und Gedanken, die Grenzen zwischen Realität und Fiktion verschwimmen. Er versteht es, den Leser in sein eigenes Netz einzuweben und nicht mehr loszulassen. Am Ende steht eine wertvolle Erkenntnis: Man kann sich auf keine Weise dem schrecklichen, dem herrlichen Leben entziehen.
ISBN 3423209402, dtv 2006, 272 Seiten, broschiert, € 8,95
rezensiert von Anna K. am 19.12.2008
Ich weiß nicht mehr, wann ich dieses Buch gelesen habe, aber es ist noch ganz tief eingebrannt, dieses Buch. Ich erinnere mich gerade an so viele Sachen, besonders seine früheren Kindererlebnisse waren schön zu (er)lesen. Es ist ein sehr tolles Buch! Kommentar von Diana am 19.12.2008