Sibylle Berg

Ein paar Leute suchen das Glück und lachen sich tot

Glückwunsch, sagt Vera. Das Wort steht in der leeren Küche. Fröstelt. Schaut sich die Küchenzeile an, das Wort, und verkriecht sich unter der Spüle. Stirbt daraufhin. Keiner ist da, um Vera zu gratulieren.

Mit einem Ziel ist keiner allein, weil ja dann neben dem Menschen immer noch das Ziel da ist.


Nora ist magersüchtig und haut ab, von Vera und Helge, den Eltern, die hauen auch ab. Und Tom und Bettina reisen nach Amerika, nach Spanien, nach Italien. Ruth dagegen sitzt in ihrem Altersheim und schminkt sich jeden Tage die Lippen neu. Und wartet. Auf Etwas.

Ich habe keine Ahnung, wer diese Menschen, Nora und Vera und Helge, Tom, Bettina und Ruth und noch viele mehr, noch viel mehr abstruse Geschichten von wegrennen und gefunden werden und bleiben und gehen, wer diese Menschen sind und auch gar nicht, wie sie zueinander passen, manchmal passen sie, aber wie, das habe ich nicht rausgefunden, aber teilweise sind sie kleine, gemeine Parasiten, sie sind verletzlich und blöde und manchmal, aber sehr selten, auch liebenswert. Es sind Figuren aus zweieinhalbseitigen Kapiteln, die steif sind und stückchenweise Dinge preisgeben, auf zweieinhalbseiten voller Worte. Und in diesem Buch sind Zitate drin, die sind toll, aber die zusammenfassen zu können, das geht nicht. Das sind Kapitel, diese Zitate.

Ich finde nicht alles, was sie schreibt gut. Ich habe so etwa eine kleine bis mittelschwere Abneigung dagegen, wenn sie schreibt: Ich also dahin. Also für mich fehlt da ein Wort.
Und da sind so viele Sachen, die großartig sind in dem Buch, aber nicht alles, nein, manches macht mir auch Angst und ekelt mich. Und am Ende, wenn fast alle Protagonisten grausam gestorben sind, vielleicht mal nur auf einer Seite, aber dafür detailiert genug beschrieben, im Feuer oder auf der Autobahn, da passt dieser Titel diesem Buch so gut.
ISBN 3379015776, Reclam 1997, 180 Seiten, broschiert, € 8,90
rezensiert von Diana am 02.06.2009