Alexa Hennig von Lange

Warum so traurig?

Philip klopft leise an die Badezimmertür. Seine Stimme klingt dumpf zu mir herein: "Elisabeth, wir müssen los." "Moment noch." Ich sehe in den Spiegel, streiche mir die feuchten Haarsträhnen aus dem Gesicht. "Was machst du denn da drinnen?" "Drogen nehmen."

Elisabeth und Philipp sind verheiratet. Sie lieben sich, doch irgendwie ist bei ihnen die Luft raus, gerade was das Sexuelle anbelangt. Philipp scheint sich damit abzufinden, doch in Elisabeth wächst die Sehnsucht eine Nacht mit einem anderen Mann zu verbringen. Nur eine einzige, um die Liebe zu Philipp wieder aufzufrischen.

Die Geschichte beginnt damit, dass die beiden nach Lissabon fliegen, um dort einen Kurzurlaub zu machen. Elisabeth fürchtet sich vorm Fliegen, sie fürchtet sich davor, ihr Gedächtnis zu verlieren, weil sie in ihrer Jugend zu viele Drogen genommen hat. Sie fürchtet sich, eines Morgens neben ihrem Mann aufzuwachen und ihn nicht zu erkennen. Sie lebt in der Vergangenheit, hat Schwierigkeiten mit ihren Gedanken im Hier und Jetzt zu bleiben. Sie ist eine Frau mit vielen Ängsten und Wünschen, die das Leben mit all seinen Details auf eine andere Art und Weise wahrzunehmen scheint.

Ich frage:
"Würdest du gerne mit einer anderen Frau schlafen?"
"Wie kommst du denn darauf?"
"Nur so."
Weil wir uns lieben und ich gerne mit einem anderen Mann schlafen würde.


Es ist kein großer Wälzer, dieses Buch. Es ist eine kurze Geschichte, mit einem Anfang und einem Ende. Eine Momentaufnahme. Es ist ein Buch, das es schafft, dass man sich nach dem Lesen für einen Moment einfach leer fühlt. Schwierig zu lesen sind sicherlich die Passagen, an denen Elisabeth zwischen Vergangenheit und Gegenwart fast in jeder Zeile hin und her springt, aber gerade das macht das Durcheinander in ihrem Kopf so wunderbar nachvollziehbar.

Ich habe das Buch an einem Abend gelesen. Es ist ein Buch für Zwischendurch, eines ohne große Lebensweisheiten, aber dafür voll von verwirrenden Gefühlen und Eindrücken, die mich förmlich an dieses Buch gefesselt haben. Nur ein paar Seiten mehr, die hätte ich mir gewünscht.

"Philipp, ich löse mich auf, ich verschwinde."
Er legt sich zu mir, streicht mir über die Wange, flüstert in mein Ohr:
"Du bist doch schon lange weg."
ISBN 3499233479, Rowohlt 2007, 123 Seiten, broschiert, € 7,90
rezensiert von Rebecca am 27.01.2008